Newsletter des Landesdenkmalamtes Berlin – Mai 2020

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›Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und das Landesdenkmalamt Berlin sind zu diesen Fragen im engen Austausch mit der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung und der Charité, was die Entwicklung von möglichen Nachnutzungskonzepten anbelangt, durch die eine nachhaltige und ressourcenschonende Weiternutzung bestehender Bauten erreicht werden kann.‹

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Offener Brief von Johann König und Prof. Arno Brandlhuber

Download-Link zum kompletten PDF: http://mäusebunker.de/wp-content/uploads/2020/05/200526_Maeusebunker_Offener-Brief_signed.pdf

Petition bei change.org

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Petition bei change.org

Petition zum Erhalt des „Mäusebunkers“ von Gerd und Magdalena Hänska und des ehemaligen Instituts für Hygiene und Mikrobiologie von Fehling+Gogel (März 2020)

Update: die Petition ist nun auf change.org.

→ English Version

An den Regierenden Bürgermeister Michael Müller, den Senator für Kultur und Europa Dr. Klaus Lederer, den Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut, sowie den Vorstand und Aufsichtsrat der Charité

Die Situation

Es drohen uns gleich zwei Ikonen der Berliner Architektur verloren zu gehen! Ein einzigartiges Ensemble zweier Institute der Charité am Campus Benjamin Franklin in Steglitz ist akut davon bedroht, zerstört zu werden. Sie sind herausragende Beispiele dieses Bautyps aus der Ära der Nachkriegsmoderne, die derzeit besonders in Deutschland und international als Teil unseres baukulturellen Erbes entdeckt und auch denkmalfachlich gewürdigt wird. Für beide Bauwerke bestehen bereits Beseitigungsanzeigen. Gleichzeitig liegen zu beiden positive Denkmalgutachten vor. Um den Verlust zu verhindern müssen sie mit äußerster Dringlichkeit unter Denkmalschutz gestellt werden.

Wir fordern

– beide Gebäude unverzüglich unter Denkmalschutz zu stellen
– einen Stopp der Abrissplanungen und die Rücknahme der Beseitigungsanzeigen der Charité

Der Mäusebunker

Die Zentralen Tierversuchslaboratorien mit dem Spitznamen Mäusebunker (1971–80, heute: Forschungseinrichtung für Experimentelle Medizin, FEM) sind nicht nur der vielleicht signifikanteste Vertreter des Brutalismus in Berlin, sondern auch das markanteste Bauwerk im Schaffen der Architekten Gerd und Magdalena Hänska. Mit ihrer monumentalen Großform stehen sie in einer Reihe mit herausragenden Forschungsbauten wie I.M. Peis Institut für Atmosphärenforschung in Boulder, CO, USA und Louis Kahns Richards Medical Research Laboratories in Philadelphia, PA, USA – beide denkmalgeschützt und vorbildlich modernisiert. In den letzten Jahren avancierte der Mäusebunker bei Architekturhistorikern und -fans gleichermaßen vom Geheimtipp zum Hype und wurde zum vielleicht meistfotografierten Liebling Berliner Betonbaukunst. Google Maps kennt den Bau gar als „Sehenswürdigkeit“. In der international gezeigten Ausstellung „SOS Brutalismus“ des Deutschen Architekturmuseums und der Wüstenrot Stiftung war der Mäusebunker als Teil einer globalen Bestandsaufnahme unter der Auswahl der 10 bedeutendsten brutalistischen Bauwerke Deutschlands. Gegenwärtig arbeiten unabhängig voneinander gleich zwei Architekturfakultäten, die TU Berlin und die Bauhaus Universität Weimar, mit ihren Studenten an Nachnutzungsentwürfen.


Das Institut für Hygiene und Mikrobiologie

Gegenüber steht das von Fehling+Gogel ab 1966 geplante und bis 1974 gebaute Institut für Hygiene und Mikrobiologie (heute: Institut für Hygiene und Umweltmedizin). Mit seinen expressiven, geschwungenen Formen in Ortbeton, die höchste Präzision in der Schalung erforderten, ist es das Gegenstück des Mäusebunkers. Das Institut ist einer der bedeutendsten Bauten im Werk von Fehling+Gogel, sowie dem organischen Bauen der 1960er- und 1970er-Jahre. Bis heute ist es praktisch im Originalzustand – eine Zeitkapsel seiner Bauzeit.

Beide Gebäude bieten immer wieder eine effektvolle Kulisse für Film- und Fernsehproduktionen. Wie beim Mäusebunker berichten auch hier Mitarbeiter, wie inzwischen fast täglich fotobegeisterte Touristen mit der Kamera herumschleichen. Unterdessen plant der BDA Berlin für den Herbst eine Ausstellung zu beiden Bauten. Leider schlug sich die Berühmtheit bislang nicht in der kommunalpolitischen Entscheidungsfindung nieder.

Das Ensemble

Diese identitätsstiftenden Bauten der Stadtgeschichte sind herausragende Beispiele dafür, wie trotz oder vielleicht gerade wegen des geforderten strengen Rationalismus unerwartete, neuartige, aufregende Formen entstehen können. Wegen seiner Insellage ist Berlin während der Teilung ein Sonderfall der Architekturgeschichte. Das Ensemble ist zusammen mit dem Campus Benjamin Franklin beispielhaft dafür, wie für öffentliche Bauten im Kontext von Nachkriegsmoderne, Hightech, Brutalismus und organischem Bauen radikale Entwürfe umgesetzt wurden.

Aufruf

Der Mäusebunker und das Hygieneinstitut bieten viel Platz für neue Institute, als Veranstaltungs- oder Konferenzzentrum, Archiv, Serverzentrum, für neue Labore und vieles mehr. Die flexiblen Grundrisse bieten große Gestaltungsfreiheiten, um andere Funktionen aufzunehmen.
Es sollte nicht vergessen werden, dass die Umnutzung eines bestehenden Gebäudes fast immer weitaus nachhaltiger und ressourcenschonender als ein Abriss mit anschließendem Neubau ist. Diese Belange der Ökologie und Nachhaltigkeit wurden soweit bekannt bei der Abwägung zwischen Altbau und Neubau nicht berücksichtigt.
Noch ist es nicht zu spät. Rettet den Mäusebunker und das Hygieneinstitut!

→ Mehr zum Mäusebunker
→ Datenbankeintrag bei SOS Brutalismus
→ Mehr zum Hygieneinstitut
→ Datenbankeintrag bei SOS Brutalismus
Weiter zur Petition bei change.org

Petition for the Preservation of the “Mäusebunker” by Gerd and Magdalena Hänska and the Former Institut für Hygiene und Mikrobiologie by Fehling+Gogel (March 2020)

Update: the petition has been moved to change.org

To the Governing Mayor of Berlin Michael Müller, the Senator for Culture and Europe Dr. Klaus Lederer, the Head of the Berlin Monument Authority Dr. Christoph Rauhut, as well as the executive and supervisory boards of the Charité

The Situation

We are in danger of losing two icons of Berlin architecture at once! A unique ensemble of two institutes which are part of the Charité Campus Benjamin Franklin in Berlin Steglitz is acutely threatened by demolition. They both are exceptional examples of their type of building from the Post-War Modernist period, which is currently being rediscovered nationally and internationally as an important part of our collective built heritage and has recently received more and more attention by the monuments authorities, as well. For both, regulatory announcements for removal have already been submitted. At the same time, two positive evaluations for both their eligibility to become registered as protected monuments are already existing. To prevent their loss they have to be protected as soon as possible.

We Demand

– to immediately register both buildings as protected heritage
– to stop the plans for demolition and retract the regulatory announcements for removal by the Charité

The Mäusebunker

The Zentrale Tierlaboratorien (Central Animal Laboratories), nicknamed “Mäusebunker“ (“Mouse Bunker”, 1971–80, today: Forschungseinrichtung für Experimentelle Medizin, FEM (Research Facility for Experimental Medicine)) are possibly the most significant example of Brutalist architecture in Berlin as well as the most distinctive design in the œuvre of architects Gerd and Magdalena Hänska. With their Brutalist monumentality they evoke comparisons with I.M. Pei’s National Center for Atmospheric Research in Boulder, CO, USA and Louis Kahn’s Richards Medical Research Laboratories in Philadelphia, PA, USA—both of which are heritage protected and commendably modernized. The Mäusebunker rose from its status as insider tip to become hyped by architecture historians and fans alike and turned into one of the most photographed darlings of Berlin’s concrete architecture. Google Maps even labelled it as a Historical Landmark. It was part of Germany’s ten most significant Brutalist buildings in the internationally traveling exhibition “SOS Brutalism” by the Deutsches Architekturmuseum and the Wüstenrot Foundation. Currently two architecture faculties of the TU Berlin and the Bauhaus Universität Weimar are independently working with their students to design re-use scenarios.

The Institut für Hygiene und Mikrobiologie

Located across the street is the former Institut für Hygiene und Mikrobiologie (Institute for Hygiene and Microbiology, today: Institut für Hygiene und Umweltmedizin (Institute for Hygiene and Environmental Medicine)) by Fehling+Gogel (1966–74). It is the Mäusebunker’s counterpart with its expressive, curved shapes in cast-in-place concrete that required exceptionally high-precision formwork. The building is one of the most significant designs in the work of Fehling+Gogel, as well as the Organic Architecture of the 1960s and 1970s in general. It has been mostly preserved in its original state until today—a true time capsule of its era.
Both structures repeatedly offered great backdrops for movie and TV productions. Just as with the Mäusebunker, employees report that by now, tourists armed with cameras are visiting on an almost daily basis. Meanwhile the BDA Berlin (Association of German Architects, Berlin Chapter) is planning an exhibition for both buildings, scheduled for fall.
Sadly, this level of recognition has not yet had any effect on the decision making in local politics.

The Ensemble

Being part of Berlin’s history and identity, these buildings are exceptional examples of how their implied strict functionalism resulted (maybe counterintuitively) in surprising, novel, and exciting forms. Because of its insular location during the Cold War, Berlin holds a special place in architecture history. Together with the Campus Benjamin Franklin, the ensemble is exemplary of how public buildings featured radical designs in the context of Post-War Modernism, High Tech, Brutalism and Organic Architecture.

Call to Action

The Mäusebunker and the Hygieneinstitut offer plenty of space for new institutes, as event or conference centers, archive, server cluster, new laboratories and much more. Their flexible floor plans offer a great amount of freedom in converting them for new purposes.
Besides all that, reusing existing structures is almost always much more sustainable and resource-efficient than demolishing and building a new building from the ground up. As far as we know these concerns have not been sufficiently considered in current assessments.
It is not too late. Save the Mäusebunker and the Hygieneinstitut!

→ About the Mäusebunker (German)
→ SOS Brutalism database entry (English)
→ About the Hygieneinstitut (German)
→ SOS Brutalism database entry (English)
Petition at change.org

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Gastbeitrag der Initiativgruppe Mäusebunker, 07. Mai 2020

https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2020-05-07/rettet-den-maeusebunker/456739.html

›Die Erfahrung zeigt, dass vieles möglich ist, wenn die Eigentümer das Bestehende prinzipiell als erhaltenswertes Kulturgut wahrnehmen. Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass die Umnutzung bestehender Gebäude fast immer nachhaltiger und ressourcenschonender als ein Abriss mit anschließendem Neubau ist. Mit Denkmalschutz alleine ist es nicht getan. Noch wichtiger ist es, bei allen Beteiligten ein Bewusstsein für den Wert der bestehenden Gebäude zu schaffen. Noch ist es nicht zu spät!‹
(Felix Torkar, Gunnar Klack)

https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2020-05-07/rettet-den-maeusebunker/456739.html
https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2020-05-07/rettet-den-maeusebunker/456739.html

Beitrag beim Deutschlandfunk, Nikolaus Bernau, 5. Mai 2020

https://www.deutschlandfunk.de/endlich-mal-erklaert-warum-werden-so-viele-gebaeude-aus-den.691.de.html?dram:article_id=476058

›Der Bauboom der 1970er war gewaltig. Heute trifft die Gebäude von damals immer öfter die Abrissbirne. Besonders die Freunde des klobigen Beton-Brutalismus beklagen die Zerstörung. Zudem spricht auch der Umweltschutz für den Erhalt der mittlerweile historischen Bauten.
[…]
In Hamburg ist derzeit das einstige Postamt 60 in Gefahr, in Berlin der zwischen 1970 und 1981 nach Plänen von Gerd und Magdalena Hänska errichtete »Mäusebunker«, das zentrale Tierversuchslaboratorium der Freien Universität.
[…]
Und vor allem wird immer deutlicher: Stehenlassen und weiterbauen ist meist billiger und fast immer besser für die Umwelt – nicht zuletzt für das Klima, weil einmal verbautes Material weiter benutzt werden kann.‹
(Nikolaus Bernau)

https://www.deutschlandfunk.de/endlich-mal-erklaert-warum-werden-so-viele-gebaeude-aus-den.691.de.html?dram:article_id=476058

Berliner Morgenpost, Beitrag von Katrin Lange, 04. Mail 2020

https://www.morgenpost.de/berlin/article229041283/CDU-Fraktion-fordert-den-Abriss-des-Maeusebunkers.html

›Der Mäusebunker ist ein Beispiel für die Architektur des Brutalismus. Noch ist nicht sicher, ob das Tierlaboratorium unter Denkmalschutz gestellt wird.
[…]
Während sich Architekten sowie Professoren für Stadtplanung und Städtebau mit Online-Petitionen und offenen Briefen für den Erhalt des Mäusebunkers einsetzen, fordert die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus kategorisch den Abriss des »Zentralen Tierlaboratoriums« der Freien Universität auf dem Campus der Charité an der Krahmerstraße in Steglitz.‹
(Katrin Lange)

https://www.morgenpost.de/berlin/article229041283/CDU-Fraktion-fordert-den-Abriss-des-Maeusebunkers.html