Offener Brief von Johann König und Prof. Arno Brandlhuber

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Petition bei change.org

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Petition bei change.org

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Gastbeitrag der Initiativgruppe Mäusebunker, 07. Mai 2020

https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2020-05-07/rettet-den-maeusebunker/456739.html

›Die Erfahrung zeigt, dass vieles möglich ist, wenn die Eigentümer das Bestehende prinzipiell als erhaltenswertes Kulturgut wahrnehmen. Dabei sollte man auch nicht vergessen, dass die Umnutzung bestehender Gebäude fast immer nachhaltiger und ressourcenschonender als ein Abriss mit anschließendem Neubau ist. Mit Denkmalschutz alleine ist es nicht getan. Noch wichtiger ist es, bei allen Beteiligten ein Bewusstsein für den Wert der bestehenden Gebäude zu schaffen. Noch ist es nicht zu spät!‹
(Felix Torkar, Gunnar Klack)

https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2020-05-07/rettet-den-maeusebunker/456739.html
https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2020-05-07/rettet-den-maeusebunker/456739.html

Beitrag beim Deutschlandfunk, Nikolaus Bernau, 5. Mai 2020

https://www.deutschlandfunk.de/endlich-mal-erklaert-warum-werden-so-viele-gebaeude-aus-den.691.de.html?dram:article_id=476058

›Der Bauboom der 1970er war gewaltig. Heute trifft die Gebäude von damals immer öfter die Abrissbirne. Besonders die Freunde des klobigen Beton-Brutalismus beklagen die Zerstörung. Zudem spricht auch der Umweltschutz für den Erhalt der mittlerweile historischen Bauten.
[…]
In Hamburg ist derzeit das einstige Postamt 60 in Gefahr, in Berlin der zwischen 1970 und 1981 nach Plänen von Gerd und Magdalena Hänska errichtete »Mäusebunker«, das zentrale Tierversuchslaboratorium der Freien Universität.
[…]
Und vor allem wird immer deutlicher: Stehenlassen und weiterbauen ist meist billiger und fast immer besser für die Umwelt – nicht zuletzt für das Klima, weil einmal verbautes Material weiter benutzt werden kann.‹
(Nikolaus Bernau)

https://www.deutschlandfunk.de/endlich-mal-erklaert-warum-werden-so-viele-gebaeude-aus-den.691.de.html?dram:article_id=476058

Berliner Morgenpost, Beitrag von Katrin Lange, 04. Mail 2020

https://www.morgenpost.de/berlin/article229041283/CDU-Fraktion-fordert-den-Abriss-des-Maeusebunkers.html

›Der Mäusebunker ist ein Beispiel für die Architektur des Brutalismus. Noch ist nicht sicher, ob das Tierlaboratorium unter Denkmalschutz gestellt wird.
[…]
Während sich Architekten sowie Professoren für Stadtplanung und Städtebau mit Online-Petitionen und offenen Briefen für den Erhalt des Mäusebunkers einsetzen, fordert die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus kategorisch den Abriss des »Zentralen Tierlaboratoriums« der Freien Universität auf dem Campus der Charité an der Krahmerstraße in Steglitz.‹
(Katrin Lange)

https://www.morgenpost.de/berlin/article229041283/CDU-Fraktion-fordert-den-Abriss-des-Maeusebunkers.html

SINA.COM, Beitrag von 利维坦行星, 1. Mai 2020

赛博朋克之后的科幻建筑是什么样的?(What is the science fiction building after cyberpunk?)

https://k.sina.com.cn/article_6517330206_18476911e01900pf1j.html

›正如赛博朋克和之前原子时代和太空时代的特征相联系,“硬混凝土”风格也与时代背景息息相关。如果说赛博朋克是公司作为神秘的庞然大物在视觉上的呈现,那么在“硬混凝土”的世界里,公司和政府被设定为野蛮和冷漠的形象,它们光鲜靓丽的外表被打碎,不再费心思去隐藏其控制欲强,粗暴或者恶毒的特征。‹ (利维坦行星)

https://k.sina.com.cn/article_6517330206_18476911e01900pf1j.html

Das Hygieneinstitut

Das Institut für Hygiene und Mikrobiologie wurde von der Freien Universität Berlin in Auftrag gegeben – als ein Ergänzungsbau zum Benjamin-Franklin-Klinikum in Steglitz. 33 Millionen DM kostete der Bau des Instituts, etwa doppelt soviel wie die anderen Institutsbauten vergleichbarer Größe, was vor allem an der komplexen technischen Ausstattung lag. Immerhin muss das Institutsgebäude absolute Quarantäne garantieren können und wurde teilweise als Hochsicherheitstrakt angelegt.Der Betrieb im Institut für Hygiene und Mikrobiologie jedoch findet zu einem großen Teil in Laboren statt, der kommunikative Aspekt der Arbeit nimmt eine untergeordnete Stellung ein. So kommt es, dass sich das Gebäude am Hindenburgdamm als betont technisch-industrielle Anlage gibt. Hoch ragen die Türme der Versorgungsschächte über den Labortrakt hinaus.

Zu den technischen Anforderungen, die Fehling + Gogel mit dem Entwurf zu bewältigen hatten, kam ein städtebauliches Problem hinzu: Für die Erweiterung der Freien Universität wurden seit den 1960er Jahren Neubauten in Steglitz und Lichterfelde errichtet, da die naturwissenschaftlichen Institute in Großbauten untergebracht werden mussten, die in Dahlem nur schwer in die vorstädtische Umgebung einzubinden waren. Doch auch in Lichterfelde stand der Neubau des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie im Konflikt mit dem städtebaulichen Umfeld, da als Standort ein Grundstück zwischen dem alten Dorfanger und dem Park des Gutshauses Lichterfelde genutzt werden sollte.

Fehling + Gogel reagierten mit ihrem Entwurf auf die Nachbarschaft, indem sie die Baumassen von Dorfkern und Park stufenweise ansteigen ließen und einen fünfgeschossigen Büro- und Laborriegel mit der schmalen Stirnseite zum alten Dorfkern stellten. Um diesen zentralen Riegel sind die niedrigeren Bauteile angeordnet: Hör- und Seminarsaal, Tierversuchslabore und Nährbodenküche. Grundlage des Entwurfs ist ein Ablaufdiagramm für den Betrieb im Institut. Eine Reihe von Laboren bildet das Kernstück, das die zwei Funktionen des Gebäudes – Forschung und Lehre – zugleich trennt und verbindet. Zum Hindenburgdamm orientiert sich der Lehrbereich, dessen fächerförmigen Sälen wiederum ein eingeschossiger Bürotrakt vorgelagert ist. Hör- und Kurssaal sind mit weitgespannten Stahlkonstruktionen überdacht, der Kurssaal kann durch eine versenkbare Wand in der Mitte geteilt werden. Die Details der Hörsaalbestuhlung entwarf Günter Ssymmank, für den dies die vierte und letzte Zusammenarbeit mit Fehling + Gogel war. Am anderen Ende des Gebäudes knickt der Labortrakt ab und führt so die höchste Stelle des Gebäudes von der Straße weg. Die geometrische Struktur und der Y-förmige Grundriss des Baukörpers nehmen ihren Ausgang in der Anordnung dreieckiger Versorgungsschächte: Da die Platzierung der Schächte und Versorgungsleitungen den Betrieb des Instituts maßgeblich prägt, behandelten Fehling + Gogel sie als zentrales Entwurfselement. Sie bildeten die Schächte mit einem charakteristischen Dreiecksquerschnitt aus und nutzten sie als räumliches Grundgerüst des Gebäudes. Besonderer Wert wurde auf die Qualität des Sichtbetons der Gebäudehülle gelegt. Um weiche Rundungen und eine feine Oberflächenstruktur zu erhalten, wurde auf eine besonders feine Ausführung der Brettschalungen geachtet. So entstand ein konsequenter Sichtbetonbau, der in solch einer sorgfältigen Ausführung in Berlin einmalig ist.

Durch die Überhöhung der Treppenhäuser und die Behandlung der Versorgungsschächte als eigenständige Baukörper wird das Gebäude gegliedert. So entsteht ein plastisches und unregelmäßiges Haus. Eine Betonrampe führt von der Krahmerstraße direkt ins erste Obergeschoss, wo sich die gegenüberliegenden Eingänge von Forschungs- und Lehrbereich eine gemeinsame Erschließungsplattform teilen. Unter dieser Plattform befindet sich eine Durchfahrt für die Anlieferung zum abgesenkten Hof. Die durch Le Corbusiers Entwürfe bekannte Idee, Fußgänger- und Autoverkehr auf zwei Ebenen zu teilen, wurde von Fehling + Gogel in mehreren Eingangssituationen wie hier umgesetzt.

Eine architektonische Verwandtschaft besteht zu de den Gebäude, die Paul Rudolph für das Government Service Center in Boston Massachusetts plante (Entwurf 1962, Ausführung mit Shepley, Bulfinch, Richardson & Abbott 1966–1971). Beim dortigen Charles F. Hurley Building & Erich Lindemann Mental Health Center ragen die Versorgungs- und Erschließungskerne ebenfalls als plastische Bauelemente aus dem Gebäude heraus. Sie sind hier ebenfalls abgerundet und abgeschrägt. Die Erschließung erfolgt über eine große Treppe, die vom Straßenniveau zu der Verteilerebene im ersten Obergeschoss führt.

Government Service Center, Boston, Massachusetts, Entwurf 1962, Ausführung 1966–1971, Paul Rudolph
Government Service Center, Boston, Massachusetts, Entwurf 1962, Ausführung 1966–1971, Paul Rudolph

Mehrere Gebäude von Fehling + Gogel besitzen Gemeinsamkeiten mit Entwürfen von Marcel Breuer. Hierbei handelt es sich Ähnlichkeiten in Gebäudestruktur und Erschließungssystem zu den Großbauten aus Breuers Spätwerk. Beim Institut für Hygiene und Mikrobiologie fällt vor allem die Grundrissstruktur als Doppel-Y auf.

Doppel-Y- und Y-förmige Grundrisse verwendete Breuer mehrfach für große Gebäude. Das mit Abstand bekannteste und meistpublizierte Gebäude mit Y-förmigem Grundriss ist das UNESCO-Gebäude in Paris (1952–1958) von Marcel Breuer, Pier Luigi Nervi und Bernard Zehrfuss. Das Institut für Hygiene und Mikrobiologie besitzt zwar einen Doppel-Y-Grundriss und keine einfache Y-Form wie der UNESCO-Bau, dafür ähnelt der Entwurf von Fehling + Gogel dem Pariser Gebäude in anderen Bereichen: plastische Sichtbeton-Details mit pyramidal angeschrägten Pilotis, eine Brücke unter dem aufgeständerten Gebäudeteil, eine außenliegende Wendeltreppe als Fluchtweg sowie Sonnenblenden, die als Streifen wie eine zweite Schicht vor die Fassade gehängt sind – Breuer befestigte Glasscheiben an auf Höhe der Geschossdecken auskragenden Metallkonstruktionen, Fehling + Gogel ließen mit ähnlichen Unterkonstruktionen Paneele aus Blechlamellen von außen vor die Fenster hängen. Mit 19 Seiten und vielen Bildern war das UNESCO-Gebäude das herausragende Objekt in dem 1962 bei Hatje veröffentlichten Buch über Breuer.

Das UNESCO-Gebäude steht auf Pilotis, wobei das Erdgeschoss mit Glaswänden zu einem Innenraum geschlossen ist. In diesem doppelt hohem Innenraum verläuft eine interne Brücke auf halber Höhe. Beim Insititut für Hygiene und Mikrobiologie steht nur der Mittelteil auf Pilotis, das offene Erdgeschoss wurde nicht verglast. Auch hier führt eine Brücke parallel unter dem aufgeständerten Bauteil entlang, jedoch nicht im geschlossenen Raum, sondern im Außenbereich.

Die äußere Form des Kurssaals am Institut für Hygiene und Mikrobiologie wurde in mehreren Publikationen als Schiffsbug-Form bezeichnet – und somit dem Institutsbau eine dem Schiffsbau entlehnte Gestaltung attestiert. Einerseits ist hier Ähnlichkeit mit einem Schiffsbug vorhanden, andererseits ruft die generelle Anmutung des Gebäudes wenig Assoziationen mit Schiffsbau hervor, handelt es sich doch um einen massiven Betonbau. Eine Ähnlichkeit besteht zudem auch zu einem anderen Gebäude – von Marcel Breuer. Das bereits erwähnte Robinson House in Williamstown, Massachusetts besitzt in der Seitenansicht eine ähnliche Form: Der Dachüberstand ist so ausgebildet, dass dessen Unterseite schräg auf die Fensterfront zuläuft. Für die ungewöhnliche, nach innen geknickte Form am Institut für Hygiene und Mikrobiologie wäre also auch ein architektonisches Vorbild denkbar – nicht nur eins aus dem Schiffsbau. UNESCO-Gebäude, IBM Research Center und Robinson House wurden jeweils mit mehreren Abbildungen in dem Buch über Breuer von 1962 publiziert.

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